Finde Fantasie 2012

Spannendes zum Inhalt

Minou glaubt an Elfen, an Feen und an Drachen.
Die Erwachsenen sagen, sowas gibt es nicht.
Nur Zahlen und Buchstaben, sagen sie, die gibt es!
Zum Glück hat Minou aber noch Noumi, ihr Kleines Wesen, das genauso aussieht wie sie.
Und bald ist sich sogar die Mathelehrerin Frau Besserwissen nicht mehr so sicher, ob unsere Welt nicht doch größer ist….

 

Wo Himmel und Erde aufeinander treffen.

Es gibt eine Welt, die liegt jenseits unserer Welt. Eine Welt, in der Fantasie besonders wichtig ist. 
Eine Welt, in der Fantasielosigkeit für die Bewohner dort zur Bedrohung werden kann. Ihr Name ist Wandelwelt.
Und,- Wandelwelt ist nicht irgendein Name oder Begriff oder gar eine ausgedachte Geschichte, nein, Wandelwelt gibt es wirklich. Auch, wenn ihr von Wandelwelt noch nicht gehört habt – kennen tut ihr sie alle. Vielmehr: ich hoffe, dass sie jeder von euch kennt. Wo Wandelwelt zu finden ist? Zumindest nicht auf einer Landkarte. Wandelwelt befindet sich,exakt auf dem hundertstel Millimeter zwischen der sichtbaren Erde und dem Himmel. Genau dort liegt diese wundervolle, magische Welt. Und dort entspringt auch die Quelle der Fantasie. Eine Quelle, in der unsere wundervollen Gedanken nur so sprudeln, sobald wir sie uns vorstellen. Natürlich gibt es in Wandelwelt auch Bewohner – es sind ganz wundersame Lebewesen. Lebewesen wie tanzende Astweiblein, wilde Feuerdrachen, mutige Baummännchen, lustige Wurzelelfen und zauberhafte Feen und Elfeen mit schillernden Flügeln. Und wie in jeder Welt gibt es auch in der Wandelwelt nicht nur gute Bewohner. Auch böse Lebewesen treiben dort ihr Unwesen…

… „Uahhh“, gähnte Noumi. Sie reckte und streckte sich ausgiebig. Sonnenstrahlen fielen auf ihre Bettdecke und sie genoss die angenehme Wärme.
„Was für ein wunderschöner Tag“, dachte sie und hüpfte fröhlich aus ihrem Bett. Wie jeden Morgen griff Noumi als Erstes nach ihrem Hut und setzte ihn sich auf ihr rot gelocktes Haar. Und wie immer rutschte ihr der viel zu große Hut über ihre moosgrünen Augen und ihre Stupsnase, so dass Noumi ihn wie immer zurechtrücken musste. Ihr Blick fiel auf den kleinen goldenen Spiegel, der über ihrer Kommode hing. Mitten in der Bewegung erstarrte Noumi: „Was ist das denn? Soll ich das sein? Was ist mit meinen strahlenden Farben geschehen? Wo sind mein kräftiges Grün, mein leuchtendes Rot, mein warmes Gelb? Spielt der Spiegel mir heut’ einen Streich?“ Ungläubig und zugleich entsetzt blickte Noumi an sich herab. Die grünweiß geringelten Socken, das Kleid, selbst ihr fröhliches Gesicht – alles war beinahe durchschimmernd, die Farben verblasst. Wie konnte das geschehen? Unruhig lief Noumi auf und ab und begann zu grübeln. Immer wieder betrachtete sie sich im Spiegel. Doch es war wie verhext – mit jedem weiteren Blick, so schien es, wurde sie noch blasser und blasser. Ratlos legte sich Noumi zurück aufs Bett und suchte fieberhaft nach einer Antwort. Plötzlich schreckte sie hoch. Da gab es doch etwas! Es gab da eine uralte Erzählung…

… In der Höhle schimmerte ein warmes Licht. „Kleines Wesen Noumi”, ertönte auf einmal eine sanfte Stimme, „Komm. Ich habe dich erwartet!”. Noumi erschrak. „Halllllloooo? Wwwer sprrrricht da?“ Stotterte sie und hoffte, ein Gesicht zu der Stimme zu bekommen. „Meine liebe Noumi, du kannst mich nicht sehen. Du kannst mich nur hören.“ Noumi nahm allen Mut zusammen und fragte verzagt, „Bist du die, die mir helfen kann? Da gibt es eine alte Erzählung, …“, Noumi stockte…

… „Minou? Minouuuu!“ Harsch wurde Minou aus ihren Träumen gerissen.
„Wo bist du nur wieder mit deinen Gedanken? “Es war die Stimme von Frau Meira Besserwissen, Minous Mathematiklehrerin. Verwirrt schaute Minou auf und sagte leise: „Bei den Elfen“. Einige Mitschüler brachen in schallendes Gelächter aus.
„So, so …, bei den E l f e n“, wiederholte Frau Besserwissen langsam, aber deutlich, damit scheinbar auch die letzten Schüler Bescheid wussten. Minou stieg die Röte ins Gesicht.
„Meine liebe Minou. Elfen haben hier nun wirklich nichts zu suchen. Überhaupt – es gibt auch keine. Mit welchem Unsinn störst du den Unterricht? Elfee, Feen, Kobolde, Drachen – dieses ganze Zeugs. Schau an die Tafel, was es statt dessen gibt: Zahlen, Buchstaben, Formeln. Mit deinen acht Jahren solltest du eigentlich vernünftiger sein.“ …

… Minou hörte immer wieder das Lachen ihrer Mitschüler. Wie konnte sie das Träumen abschalten? Sie musste lernen, sich zu konzentrieren. Aber wohin mit all den Träumen und den schönen Fantasien? Warum passierte es ihr immer wieder ausgerechnet bei der strengen Frau Besserwissen?
Minou rannen die Tränen erneut über die Wange. Sie zog die Decke nun ganz über den Kopf und ließ ihnen freien Lauf. „Naturlich gibt es Elfen. Die Elfen sind doch meine Freunde!“ Minou schluchzte, während sie sich das immer wieder sagte. Manchmal konnte sie sich sogar mit den Elfen unterhalten. Sie hatten ihr das Zauberwort verraten, mit dem Minou sie rufen konnte. Und die Elfen kamen immer dann, wenn Minou das Zauberwort sprach. Natürlich, – Minou ärgerte sich ein wenig über sich selbst.
Sie konnte sich doch die Elfen zur Hilfe rufen. Die wussten bestimmt, was man mit so einer Frau Besserwissen machen konnte, damit die Lehrerin sie in Ruhe ließ. Dass sie nicht gleich daran gedacht hat. Sie sprach das Zauberwort. Doch nichts geschah…